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Grußwort des Stadtdekans zur Verabschiedung von Sozialbürgermeisterin Müller - Trimbusch

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Schuster,
sehr geehrter Herr Minister Professor Goll,
meine sehr verehrten Damen und Herrn,
liebe Frau Gabriele Müller-Trimbusch,

20 Jahre berufliches Wirken als Sozialbürgermeisterin in 5 Minuten zu würdigen, ist ein unmögliches Unterfangen, deshalb möchte ich mit vier Charakteristiken Ihr Wirken beschreiben, und – wenn Sie so wollen – biblisch gesprochen ein paar Dämonen politischer Art auszutreiben versuchen. In den letzten 20 Jahren hat es im Sozialsystem umfassende Reformen und Veränderungen gegeben – von der Einführung der Pflegeversicherung bis zur Einführung des Rechtes auf Kinderbetreuung für Kleinkinder.
Frau Müller-Trimbusch, der Blick auf die Menschen, auf den einzelnen Menschen war Ihnen stets wichtig. Bei Ihren vielen Besuchen in Einrichtungen und Diensten haben Sie immer den Kontakt zu den Menschen gesucht. Ihre Offenheit für das Gespräch ist ein wichtiges Markenzeichen Ihrer Person und Ihrer Arbeit geworden.

Wenn es nötig war, haben Sie Ihre Leitlinie für die soziale Arbeit und für anstehende Entscheidungen klar benannt: Es darf kein Kind, kein Mann, keine Frau verloren gehen. Diese, Ihre Aussage war Leitlinie und Ordnungsruf zugleich.

Meine sehr verehrten Damen und Herren: das Gespenst der politischen Blockbildung geht um seit einigen Monaten: Von bürgerlichen Blocks ist die Rede und von öko- sozialen, linken Strömungen, die sich gegenüberstehen wie sich ausschließende Gesellschaftsformen. Was soll das heißen: Wer nicht zum bürgerlichen Block gehört ist kein Bürger? Soll ich es so übersetzen? Und wer öko-sozial denkt, ist nicht politikfähig. Die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt durchschauen die Machtspiele und wünschen sich Politiker die das Block- und Machtdenken - zugunsten von gemeinsamen Suchbewegungen hin zu einer lebensfreundlichen Stadt - mutig und über die Parteigrenzen hinweg suchen und dabei das Wohl der Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Ich höre hin und wieder vom Gespenst der Unregierbarkeit dieser Stadt in der jetzigen Zusammensetzung des Gemeinderates. Ich setze darauf, dass wir von Menschen und nicht von Gespenstern vertreten werden. Wenn das stimmt, dann ist die Stadt auch menschlich regierbar.

Ihnen liebe Frau Müller-Trimbusch hat man Ihre Parteizugehörigkeit nie angemerkt, aber immer mit großer Aufmerksamkeit wahrgenommen, dass es Ihnen um die Menschen ging und nicht um Parteipolitik. Und darum wird es gehen: denn Menschen und ihre Menschlichkeit entscheiden über Politikverdrossenheit oder der Lust daran Verantwortung zu übernehmen.
Der Dialog und die Kommunikation sind ein Heimspiel für Sie als Sprachwissenschaftlerin, liebe Frau Müller-Trimbusch, aber in der Arbeitswelt bei Weitem nicht selbstverständlich. Sie haben keine Mühe gescheut, Gesprächspartner an einen Tisch zu bringen. Und wenn der Kalender bereits voll war, lautete Ihr Angebot: „Um 7.30 Uhr habe ich morgen noch Luft, da können wir uns besprechen.“ Was für Sie selbstverständlich war, hat manches Mal die Gesprächspartner herausgefordert. Sie haben durch Dialogangebote und Dialogbereitschaft die Kultur des Miteinanders der unterschiedlichsten Akteure in dieser Stadt geprägt. Das ist uns bewusst und wir – die freien Träger und die Kirchen - haben davon profitiert; wir werden uns für die Weiterführung dieser Dialogkultur einsetzen.

Und wir werden sie auch einfordern. Prophetisch werden wir uns wehren gegen jeden Versuch, diese Stadt in ein Schachfeld von schwarz und weiß, oder grün und rot, Führungsanspruch und Machtgehabe zu verwandeln, völlig gleich von wem sie ausgehen. Es geht nicht um Führungsansprüche, sondern um Lösungen. Den Bürgermeistern kommt dabei eine hohe Verantwortung zu, zu einen und den Spaltungen Einhalt zu gebieten. Es ist deshalb auch nicht einsehbar, wenn Zuordnungen von Zuständigkeiten nach Machtverhältnissen und nicht nach Plausibilität entschieden werden. Die Kirchen und die Freien Träger werden auch hier weiter hin Fragen stellen, die vielleicht machtpolitisch unbequem, aber dem inneren Frieden dieser Stadt dienen.

Ihre Anwaltschaft, liebe Frau Müller-Trimbusch war verlässlich und hat gut getan!
In den neunziger Jahren war es der Einsatz für Flüchtlinge und Zuwanderer, es war Ihr Einsatz für ein neues Verständnis im Zusammenleben von Jung und Alt, Ihr unüberhörbares Werben für die Integration der Bürgerinnen und Bürger aller Kulturen, Ihr Mahnen um die Zusammenführung und den konsequenten Ausbau von Bildung und Betreuung, Ihre konsequente Positionierung in der Drogenhilfe, Ihr Eintreten gegen Diskriminierung und Ihr Eintreten für Teilhabe. Immer ging es Ihnen darum, die Denkblockaden in den Köpfen der Menschen abzubauen; dies alles hat das sozialpolitische Profil in Stuttgart geschärft. Gelegentlich haben Sie durch Ihren Mut und Ihre Unerschrockenheit, durch Ihre klare Positionierung die politische und gesellschaftliche Diskussion provoziert, gelegentlich fühlten sich Verwaltung oder Trägerorganisationen verunsichert. Und das war gut so, immer dann, wenn dadurch der Mensch in den Mittelpunkt rückte. Mit Ihrer Haltung der Anwaltschaft für den Sozialbereich haben Sie mehrere Haushaltskonsolidierungen mit sachgerechten und vertretbaren Anpassungen gemeistert. Sie haben mit Ihrer Person und als Bürgermeisterin sich stets als engagierte Vertreterin des Sozialen und der dort aktiven Mitarbeitenden verstanden. Die freien Träger und die Kirchen wissen zu würdigen, dass wir in äußerst angespannter wirtschaftlicher Situation im letzten Jahr einen Haushalt der Stadt Stuttgart bekommen haben, der den sozialen Bereich weitestgehend von Kürzungen verschonte. Und immer da, wo Dialoglücken waren, konnten wir sie im Dialog auch wieder positiv schließen. Wir wissen aber auch, wem wir diesen Haushalt zu verdanken haben, nämlich all jenen Gemeinderäten, die mit hohem Sachverstand um die Menschen und nicht um ihre Parteifarben gekämpft haben. Diese Wertschätzung und Unterstützung war verbindend und in die Zukunft gerichtet. Für ihren Beitrag dazu, liebe Frau Müller-Trimbusch: herzlichen Dank!

Frau Müller-Trimbusch, die Partnerschaft zwischen der Stadt und allen Akteuren in der sozialen Arbeit, den Kirchen, den freien Trägern, den Initiativen und Selbsthilfegruppen, unanhängig von Größe und Organisationsgrad, war Ihnen ein unumstößlicher Grundsatz. Die Suche nach gemeinsam tragfähigen Lösungen war Ihr Antrieb. Die reine Sicherung von Besitzständen und Liebgewordenem ein gewisser Dorn im Auge. Sie haben Ihren Partnern ein hohes Maß an Beteiligung und dadurch an Mitgestaltung ermöglicht, dafür möchte ich Ihnen heute besonders danken. Im Rückblick sind wir überzeugt, dass diese Haltung viele Potentiale und Kompetenzen, Hilfen und Solidarität in Stuttgart gehoben hat. Der heutige Stand des sozialen Netzes in der Stadt ist hierfür ein Beleg. Uns ging es miteinander nie zuerst um die Leuchttürme und die markigen Sprüche, sondern um die Verbesserung des Alltags der Menschen. Das ist oft wenig spektakulär, aber auf Dauer erfolgreicher.
 

GMT-Brock

Foto: Helmut Ulrich


Zum Abschluss danke ich Ihnen im Namen der Kirchen und der vielen freien Träger für Ihr Wirken. Ich danke für Ihren hohen persönlichen Einsatz und die stets gute und verlässliche Partnerschaft.
Ich wünsche Ihnen eine erfüllte Zeit mit Gesundheit, Glück und neuen Perspektiven, wenn Sie im September in den Ruhestand gehen. Gottes Segen auf Ihren Wegen!
Es gilt das gesprochene Wort.

Prälat Michael H.F. Brock
Stadtdekan von Stuttgart
 

 

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