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Die soziale Herkunft prägt noch immer entscheidend die Schullaufbahn

Die Ländervergleiche des IQB (Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen) treten an die Stelle der PISA-Ergänzungsstudien (PISA-E), in denen ebenfalls die Länder der Bundesrepublik Deutschland in Hinblick auf die Kompetenzstände ihrer Schülerinnen und Schüler verglichen wurden.
Während in PISA die Fünfzehnjährigen die Zielpopulation darstellen, untersucht das IQB Schülerinnen und Schüler der neunten Jahrgangsstufe. Im Bericht werden neben der schwerpunktmäßigen Untersuchung der Kompetenzstände in den Fächern Deutsch und erste Fremdsprache (Englisch/Französisch) auch soziale und kulturellle Bedingungen berücksichtigt. Im Fokus der Studie stehen die Kompetenzen Zuhören, Lesen, und Orhtografie im Fach Deutsch und Hörverständnis sowie Leseverstezen in den ersten Fremdsprachen.
Weitere Informationen finden Sie unter www.iqb.hu-berlin.de

Das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) und die Kultusministerkonferenz (KMK) haben am 23. Juni 2010 die Ergebnisse der ersten zentralen Überprüfung des Erreichens der KMK-Bildungsstandards veröffentlicht: Im Fach Deutsch wurden die Bereiche Lesen, Hörverstehen und Orthografie gestestet, in den Fremdsprachen die Bereiche Lesen und Hörverstehen. In allen getesteten Fächern erreicht Baden-Württemberg im Ländervergleich Spitzenplätze und liegt hinter Bayern bundesweit auf dem zweiten Platz. Das hört sich erst einmal befriedigend und beruhigend an. Trotzdem hat der neu vorgelegte Schul-Ländervergleich den Streit um weitere Reformen im Bildungswesen neu entfacht. Warum?

Der Grund für die anhaltende Besorgnis und den neu entfachten Streit um weitere Reformen im Bildungswesen ist die Tatsache, dass die Studie erneut den engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulleistungen offenbart. Dies war schon bei den internationalen PISA-Schulstudien immer wieder und anhaltend bemängelt worden. So zeigte die Untersuchung unter anderem, dass bei den Spitzenreitern Bayern und Baden-Württemberg ein Kind von Eltern mit hohem Einkommen und Bildungsstatus bei gleicher Lesekompetenz eine sehr viel höhere Chance zum Besuch eines Gymnasiums hat, als ein Kind von Eltern mit niedrigerem Einkommen und geringerer Qualifikation. Damit entscheidet auch weiterhin die soziale Herkunft eines Kindes in hohem Maße über seinen Bildungserfolg.

Früher war die Bildungspolitik im großen Feld der Politik eher eine Nische, in der sich ambitionierte Politiker zurückhielten. Das hat sich grundlegend geändert. Der Streit um die Bildungspolitik und ihre Reformen beschäftigt heute alle Politiker und alle Parteien. Der Grund dafür ist die Frage danach, was eine Gesellschaft noch zusammenhält, wenn sie materiell immer mehr auseinandertreibt. Die Gesellschaft und damit die Demokratie braucht eine Basis der Gleichheit. Diese wurde früher mit dem heute eher aus der Mode gekommenen Gedanken der sozialen Gerechtigkeit und heute mit dem Prinzip der Chancengerechtigkeit angegangen. Das Gewicht, das die Bildungspolitik gewonnen hat spiegelt sich in den Wahlen und den Wahlvorbereitungen wider. Bei allen Parteien ist sie zentrales Thema im Wahlkampf. Auch bei der anstehenden Landtagswahl in Baden-Württemberg macht sich die Bedeutung der Bildungspolitik deutlich: Die Landesregierung in Baden-Württemberg versichter unablässig, dass es keine Sparmaßnahmen bei den Schulen geben wird. Man fürchtet den Unmut der Eltern, die bei Wahlen allen Parteien gefährlich werden können.

Bei der Vorstellung des neuen Schulvergleichs wurde daher laut gejubelt. Doch die Ergebnisse nehmen nur einen Teil der Schüler in den Blick: Die beruflichen Gymnasien, die ganz besonders als Möglichkeit für den Erwerb eines höheren Bildungsabschlusses für benachteiligte Jugendliche gelten wurden ebenso ausgeklammert wie die schwachen Schüler mit eher düsteren Zukunftsaussichten. Mit in die Wertung wurden nur Hauptschüler aufgenommen, die einen mittleren Bildungsabschluss anstreben, die also gut und leistungsbereit sind.

Die ausgeklammerten Gruppen sind die Verlierer des Bildungssystems und sie wurden bislang von der Landesregierung konsequent vernachlässigt. Trotz aller Versprechen und trotz all dem vielen Geld, das in die Schulen gepumpt wurde hat es hier keine Verbesserung gegeben. Genau diese Gruppe muss aber in den Blick genommen werden, denn an ihnen wird sich zeigen, ob wir es schaffen die Gesellschaft zusammenzuhalten!

Für Stuttgart Sozial
Ulrike Holch


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Nachhaltige Verbesserung des Bildungssystems

Ulrike Holch hat mit dem letzten Absatz ihres Beitrages den Finger in die Wunde unseres 3-gliedrigen Bildungssystems gelegt. Auch unseren Bildungspolitikern müsste bekannt sein, dass nachhaltige Verbesserungen nur zu erreichen sind, "if you rise the bottom and not the ceiling".
Statt sich aber ganz gezielt um die "Verlierer" unseres Bildungssystems zu kümmern, die in der international angelegten PISA-Studie 2006 klar ausgewiesen wurden, und in die offensichtlich notwendige, individuelle Förderung der Schwächeren zu investieren, bespiegeln sich die Kultusminister der 16 Bundesländer lieber nochmals selbst in der neuen IQB-Studie, ohne die notwendigen Reformen anzugehen.
  Helmut Leitz

HauptschülerInnen bleiben die Verlierer

Es ist schon ärgerlich, dass beim IQB-Ländervergleich der KMK das Thema "Bildungsverlierer" so unterging; obwohl ja in den Zeitungen sehr wohl vermerkt wurde, dass trotz des Ausschlusses der "demotivierten", schwächeren HauptschülerInnen Baden-Württemberg und Bayern (mit ihren 3-gliedrigen Schulsystemen)im Vergleich zu allen anderen Bundesländern am ungerechtesten agieren hinsichtlich der Chancen auf Bildung auch für sozial Schwächere.
In der PISA-Studie 2006 wurde klar ausgewiesen, dass 53,4% der 15-jährigen, baden-württembergischen HauptschülerInnen "nicht ausbildungsreif" sind, weil sie nicht ausreichend lesen und schreiben können. Baden-Würtemberg stand mit diesem "Offenbarungseid" für die Hauptschulen zwar noch an zweitbester Stelle (nach Bayern mit 38%), aber wegen dieser miserablen Werte von PISA-E beauftragte die KMK nunmehr das IQB und definierte die "Verlierer", die das PISA-Ergebnis so drückten, gleich weg.
Auch die neue "Werkrealschule" erleichtert den ambitionierten SchülerInnen den mittleren Bildungsabschluss (was ja gut ist), aber "Verlierer" sind wiederum die schwächeren HauptschülerInnen, weil sie noch immer nicht die notwendige, individuelle Förderung erfahren. Völlig unverständlich ist für mich, warum nicht allen HauptschülerInnen im Zuge der Werkralschul-Reform eine Klasse-10 zugestanden wurde, da die Hauptschul-Absolventen ja sowieso zu jung sind für einen betrieblichen Ausbildungsplatz.
  Helmut Leitz

Bildung kostenlos aber nicht billig

von: Rainer Mayerhoffer

Auch wenn wegen der derzeigigen städtischen Haushaltsalge in Stuttgart die Kita-Gebühren erhöht werden mussten, darf als Ziel "kostenlose Kitas" als Teil des Bildungssystems nicht aus dem Auge verloren werden. Gegenfinanzierung kann durchaus das geplante Betreuungsgeld sein, denn es darf durchaus die Frage gestellt werden, ob dieses Geld den Kindern als Bildungschance wirklich zugute kommt.

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